
Das ist der Titel eines gerde erschienen Buches von mir. Und dieser Titel ist Programm. Haiku sind oft wehmütig, aber nicht so hier. Glück, Freude, Lebendigkeit, ein rundum positives Buch. Doch Werbung will ich hier gar nicht machen (das tue ich an anderer Stelle), sondern einige der schönsten Haiku aus dem Werk zeigen. Sie können deinen Tag verschönern, wenn du es zulässt.
Wer sich für das Buch interessiert, guckt hier nach … es lohnt sich!
Hier sind Kostproben aus den 10 Kapiteln des Buches, 18 von 300 Haiku. Damit du sehen kannst, was drin steckt und wie es gemacht ist.
Wann hast du zuletzt die Schönheit eines Augenblicks wahrgenommen? Haiku schaffen genau das: In nur drei Zeilen eröffnen diese winzigen Gedichte ganze Welten. Die hier versammelten Verse sind achtsam, tierlieb, tröstend, natürlich, kindlich, humorvoll und berührend. Von Wegbereiter Basho bis zu den Reformern Shiki und Taneda – die großen Meister ihres Faches bieten einen Gegenpol zur hektischen Welt: Ruhe, Wahrhaftigkeit und Einfachheit.
Die Übersetzungen sind frisch und bleiben am Original, ohne die Haiku zu verkitschen oder westlichen Lesegewohnheiten anzupassen. Denn ihr Charme liegt im Ursprünglichen – in der Verdichtung des Wesentlichen: Beobachtungen, Einsichten und Gefühle. So schlicht diese Verse sind, so tief sind sie auch. Obwohl viele Jahrhunderte alt, wirken sie verblüffend aktuell. Sie können ein schneller Energiestoß sein, eine Idee, eine neue Sichtweise. Sofort und unmittelbar.
Bleib nicht müßig!
Die Spatzen tanzen,
die Falter flattern.
Issa, 1812
Im Frühling heißt es, raus auf die Straße und ab ins Feld. Wenn nicht jetzt, wann dann?
Kaum ist der Frühling da,
findet sich alles:
der Mond, die Pflaumenblüten.
Matsuo Basho
Der Frühling beginnt gerade erst, und schon fügt sich alles unaufgeregt und harmonisch, wie selbstverständlich zusammen. Der Mond und die Pflaumenblüten stehen für die Schönheit und Zartheit der beginnenden Zeit.
Selbst das Getreide
ist in Morgenlaune –
blauer Frühlingsdunst.
Issa, 1812
Der blaue Frühlingsdunst ist wie die Blaue Stunde ein Moment des Übergangs, in dem die Welt noch traumhaft verhüllt ist und wir in der magischen Morgenstimmung sanft zwischen Nacht und Tag schwingen. Nicht mehr dort, aber auch noch nicht hier.
Kann nicht anders, als zu pfeifen –
der Morgen, der Wald,
so blau!
Ozaki Hosai, 1918
Nichts als spontane Freude und Lebendigkeit, die von der Schönheit der Natur ausgelöst wird. Das Pfeifen ist nicht geplant, sondern eine natürliche Reak-tion auf die Frische des Morgens und die strahlende Bläue des Waldes. Die Farbe Blau (vielleicht auch Blaugrün) symbolisiert hier Vitalität, Reinheit und die Energie des neuen Tages. Blau schafft eine stärkere Verbindung zum Gefühl von Klarheit, Ruhe und Reinheit.
Frühlingsmeer –
den ganzen Tag
nur Schwappen.
Yosa Buson, 1757
Tiefe Ruhe. Das Meer im Frühling bewegt sich den ganzen Tag lang langsam, ohne Dramatik, Hektik oder Gewalt. Hier ist nur Weite – und träges Aufundab.
Bequem hingestreckt.
Faul und zufrieden
die Sterne begrüßen!
Issa, 1803
An die junge Weide,
hat er seinen Hut gebunden –
der Wanderpuppenspieler.
Emori Gekkyo
Puppenspieler galten oft als Außenseiter und lebten ähnlich wie Wandermönche. Manche trugen typische breitkrempige Reishüte (Kasa) aus Stroh- oder Gras, wie sie auch von buddhistischen Bettelmönchen getragen wurden. Sie waren Künstler, die mit Handpuppen, Marionetten oder Stabpuppen Vorstellungen gaben. Manchmal waren sie allein unterwegs, oft aber organisiert in kleinen Gruppen. Sie spielten auf Märkten, an Straßenkreuzungen oder in Tempeln für Spenden.
Die Sterne haben
ihre Herbstaugen
bereits geöffnet.
Ozaki Koyo

Weiße Pflaumenblüten –
die Nacht ist so hell,
als sei es schon Morgen.
Yosa Buson
Weiße Birnenblüten –
im Mondlicht versenkt sich
eine Frau in einen Brief.
Yosa Buson
Hätte ich eine Stimme,
würde ich für sie singen –
fallende Kirschblüten.
Matsuo Basho
Selbst wenn der Kaiser kommt,
wird sie ihren Hut nicht lüften –
die Vogelscheuche.
Hojo Dansui
Immer wenn die Leute
schläfrig sind,
krakeelt die Rohrammer.
Ryokan Taigu
Meine große Liebe –
Nacht für Nacht
die Bettflasche.
Issa, 1822
Weiß blühen die Mondblumen –
nachts beim stillen Örtchen
die Kerze in der Hand.
Matsuo Basho
Ein Mensch, vermutlich der Dichter selbst, sitzt auf der Latrine, die Kerze in der Hand, und bemerkt dabei die zarten, weiß leuchtenden Mondblumen (Yugao). Hier trifft die Schönheit der Natur, die in der Dunkelheit erstrahlt, auf den drängenden Alltag eines nächtlichen Toilettengangs.
Melonenduft –
ein Fuchs steckt seine Nase
in die Mondnacht!
Kaya Shirao
Hitzeflimmern über dem Gras,
alle Viere von sich gestreckt –
ein Hundetraum.
Soseki Natsume, 1914
Weiße Papierdrachen
treiben vorüber –
Abenddunst.
Tan Taigi
Schon zur Edo-Zeit (1603–1868) waren Papierdrachen (Tako) ein beliebtes Spielzeug und gleichzeitig eine Kunstform in Japan. Sie hatten sowohl praktische als auch symbolische Bedeutungen. Drachen galten als Zeichen für Glück und Wohlstand. Auch Drachenwettbewerbe gab es, bei denen die Stabilität und Flugfähigkeiten der Konstruktionen auf die Probe wurden.
Mehr davon liest du hier … Haiku, die uns glücklich machen! 300 achtsame Gedichte

Werkstattbericht
Die Illustrationen auf dieser Seite stammen von DALL-E, die Übersetzungen von Lenny Löwenstern. Bei der Übertragung der Haiku aus dem Japanischen kamen moderne Werkzeuge zum Einsatz, darunter ChatGPT und Claude. Die Haiku wurden nicht automatisch übersetzt – jede Zeile ist bewusst gestaltet, sorgfältig abgewogen und sprachlich verfeinert. Jedes Haiku wurde individuell bearbeitet, um Wesen und Ausdruck zu bewahren.