
am Abend
die Dämmerung hält an
als ob die Nacht sich
vor uns fürchten würde
Diesen Dreizeiler schrieb ich am 14.03.2024, er ist auch Teil des Bandes Sternenvogelpoesie. Die Visualisierung schufen die Kunstintelligenzen DALL-E und Microsoft Designer. Der Titel ist im Grunde unnötig.
Das Wort anhalten hat hier eine widersprüchlich-doppelte Bedeutung, einmal im Sinne von stoppen, andermals bedeutet es weitergehen. Diese Doppeldeutigkeit spiegelt die paradoxe Natur der Dämmerung wider – sie ist ein Moment des Innehaltens und gleichzeitig des Übergangs. Die Dämmerung scheint innezuhalten, verweilt für einen Augenblick, und doch schreitet sie unaufhaltsam voran. Ob wie wollen oder nicht. Dadurch entsteht eine poetische Spannung, die das Zögern und zugleich die Bewegung der Zeit beschreibt.
Das Bild der Nacht, die sich vielleicht vor uns fürchten könnte, soll dem Moment eine mystische und zögerliche Note verleihen, als ob die Nacht, trotz ihrer Unvermeidbarkeit, doch einen Moment lang verharrt, bevor sie vollständig herunterfällt und uns einhüllt. Denn eigentlich sind wir es, die Angst haben und sich vor der hereinberechenden Nacht fürchten.
Würde ich gerade an einem Roman arbeiten, könnte vom Obigen abgeleitet diese Zeile herausgekommen sein:
Der Tag verharrte noch für einen Augenblick in der Dämmerung, als ob er sich vor der Endgültigkeit der Nacht würde fürchten müssen.
Vom Gedicht angeregte Farbbezeichnungen
Zwielichtviolett, Dämmergrau, Flüchtigkeitsindigo, Mondsilberschein, Verwaschennachtblau, Scheuockergold, Fahlschimmerlila, Angstgrau, Schattenorange, Tiefdämmerpetrol, Übergangsflieder, Verhangendämmergrün, Abendmohnrot, Rückzugblau, Halbschattenrosé, Nachtfalterbraun, Schleierblau, Abschiedsbernstein, Stilleviolett, Verborgenschwarz.

