Gedichte ohne Reime, was soll das?

Gedichte ohne Reime, was soll das?

Dies ist meine persönliche Meinung als schreibender Praktiker, es handelt sich nicht um eine studiertenkluge germanistische Abhandlung.

Ein Gedicht mit Reimen ist für mich ein klassischer antiker Tempel mit mächtigen Säulen. Ein festgefügtes Wortmauerwerk, in dem alles gerade ist und sich unverrückbar an seinem Platz befindet. Die Strenge regiert mit der Tradition.

Unzweifelhaft sind Reime mächtig. Reime entfalten Wucht. Etwas Gereimtes ist schwergewichtig (der Säulen wegen). Für mich sind Reime der Holzhammer der Poesie. So erkennt der Leser, was wichtig ist. Reime nageln die Wörter fest. Nun sind sie unbeweglich und können nicht entkommen. Siehe auch:

Die Leichtigkeit der Poesie

Genau das strebe ich nicht an, ich wünsche ein luftiges, leichtes Gebilde. Gemeint ist kein Nebel, denn es hat Struktur. Doch die ist filigran. So wie ein Gebäude aus Glas und Metall, das ist etwas ganz anderes als ein klassischer Tempel. Dazu müssen die Wörter sich aber bewegen können, damit sie nach oben streben, dem Licht und dem Himmel zu.

Es gibt sehr wohl Rhythmus und Klang, ja sogar Gesang. Aber er klingt anders, als der Reim. Ihr Klang ist menschlich, nicht pathetisch.

Mir geht es nicht um Wucht, sondern um Klarheit und Einfachheit. So wie ein dünner Stoff verglichen mit einem Wollmantel.

Wörter geordnet wie eine Prozession, während ich das ungezwungene Spiel bevorzuge. Wenn es nach mir ginge, dann sollen die Wörter fliegen dürfen, aber nicht in ein unnachgiebiges Prokrustesbett gezwängt sein.

Reime sind Stacheldraht für Wörter. Aber warum sich Fesseln anlegen, wenn man sich auch in die Lüfte erheben kann? Auf den Schwingen der Poesie …

Natürlich enthalten meine Gedichte auch Reime, hier und da ein wenig; manchmal, wenn es mir geboten erscheint oder mir danach ist oder das Gedicht danach verlangt. Aber nie um des Reimes wegen. Auch verbiege ich deswegen keine Sätze.

Reimlos heißt nicht, man könne irgend etwas hinschreiben, was einem durch den Denkapparat zieht. So geht es gerade nicht. Jedes Wort hat durchaus seinen Platz, wenn man ihn denn gefunden hat. Beim Reimgedicht gibt der Reim vieles vor.

Gleichwohl hat der Reim seine Berechtigung.

Einen gravierenden Nachteil erkenne ich. Ein reimloses Gedicht wird mitunter gar nicht als solches gesehen. Die Leute erkennen nicht, was es ist und unterschätze es deshalb. Ohne Reim, das kann ja nichts sein. Was, das soll ein Gedicht sein? Der Reim macht das Gedicht in den Augen vieler erst zu einem. Die Form triumphiert.

Ein Reimgedicht kann auf eine handwerkliche Leistung reduziert werden. Das ist eine Leistung und jeder sieht es. Anders, als ein Gedicht, das nur ein hingeschriebenen Satz ist – oder aus ein paar zufällig hingestreuten Wörtern. So mag es scheinen.

Die Form ist Handwerk, sie zu vollenden und letztlich zu überwinden, macht den Meister. Daran kann man wachsen. Wer das nicht tut und nicht reimt, der kann auf Irrwege gelangen. Ich hoffe, mir passiert das nicht. Im Übrigen gilt: Nichts ist schwerer, als leicht zu sein.

Es gibt nicht nur Endreime

Es sind schon ab und an Reime vorhanden. Man muss genau hinsehen. Es gibt ja nicht nur den simplen Endreim wie in einem Lied. Die Welt der Reime hat mehr zu bieten. So gibt es zum Beispiel Anfangsreime, Binnenreime, Pausenreime, Halbreime, gespaltene und gebrochene Reime. Auch zwei Wörter zu wiederholen ist ein Reim. Und dann wären da noch die Alliteration und der Stabreim. Das erkennt man nicht unbedingt auf Anhieb. Vieles davon ist vorhanden, nur eben nicht offensichtlich. Es geht um den Klang, das Lyrische eben. Was ich nicht mag und nicht schreiben kann, sind Sonette, denn da reimt sich alles.

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