10 der schönsten und berühmtesten Liebesgedichte ins Bild gesetzt

10 der schönsten und berühmtesten Liebesgedichte ins Bild gesetzt

Für viele Menschen sind Liebesgedichte die einzig wahren Gedichte, der Rest ist für sie uninteressant. Das ist zwar schade, aber was kann man machen? Hier sind die wohl schönsten und bekanntesten Vertreter ihrer Art. Ich habe mit der künstlichen Intelligenz DALL-E (via Bing) zehn beliebte Gedichte bekannter Poeten visualisiert. Eines inniger als das andere. Die Bilder haben mit Absicht surreale oder gar fantastische Anklänge … Siehe auch: 10 berühmte klassische Gedichte ins Bild gesetzt

Liebes-Lied / Rainer Maria Rilke

Liebes-Lied / Rainer Maria Rilke

Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkeln unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.

Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Intrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.

Das Gedicht wurde 1907 geschrieben und ist Teil von Rilkes Werk "Neue Gedichte" (1907-1908). Diese Sammlung markiert einen Höhepunkt in Rilkes lyrischem Schaffen und zeigt seine Fähigkeit, komplexe emotionale Zustände in bildhaften Versen auszudrücken. Die Visualisierung schuf DALL-E nach dem 1. Teil des Gedichts.

Des Himmels Tücher / William Butler Yeats

Des Himmels Tücher / William Butler Yeats

Hätt ich des Himmels reichbestickte Tücher,
bestickt aus Golden- und aus Silberlicht,
die dunklen, die blauen und die hellen Tücher,
aus Nacht, aus Tag und aus der Dämmerung,
legt ich die Tücher dir zu Füßen.
Doch ich bin arm und habe nichts als Träume,
so leg ich meine Träume dir zu Füßen.
Tritt leise, denn du trittst auf meine Träume.

Dieses Gedicht ist eines der bekanntesten Liebesgedichte von William Butler Yeats und zeigt die Hingabe und Zärtlichkeit, die der Dichter gegenüber seiner geliebten Person empfindet. Es betont auch die Zerbrechlichkeit und den Wert seiner Träume, die er der geliebten Person anvertraut. Das Gedicht wurde in dem Film Equilibrium (2002) mit Christian Bale zitiert.

Du bist wie eine Blume / Heinrich Heine

Du bist wie eine Blume / Heinrich Heine

Du bist wie eine Blume,
So hold und schön und rein;
Ich schau’ dich an, und Wehmut
Schleicht mir in’s Herz hinein.

Mir ist, als ob ich die Hände
Auf’s Haupt dir legen sollt’,
Betend, daß Gott dich erhalte
So rein und schön und hold.

Das Gedicht erschien 1827 im "Buch der Lieder" und ist das 47. Gedicht im Zyklus "Die Heimkehr". Es zählt zu den bekanntesten Liebesgedichten Heines und drückt durch die Metapher der Blume die zarte Schönheit und Reinheit der Geliebten aus. Heine, der das Gedicht vermutlich 1823 oder 1824 schrieb, schildert darin die wehmütige Bewunderung des lyrischen Ichs für die Unberührtheit der Geliebten.

Du meine Seele, du mein Herz / Friedrich Rückert

Du meine Seele, du mein Herz / Friedrich Rückert

Du meine Seele, du mein Herz,
Du meine Wonn', o du  mein Schmerz,
Du meine Welt, in der ich lebe,
Mein Himmel du, darin ich schwebe,
O du mein Grab, in das hinab
Ich ewig meinen Kummer gab!

Du bist die Ruh, du bist der Frieden,
Du bist der Himmel, mir beschieden.
Daß du mich liebst, macht mich mir wert,
Dein Blick hat mich vor mir verklärt,
Du hebst mich liebend über mich,
Mein guter Geist, mein bessres Ich!

Das Gedicht, das in Rückerts Sammlung „Liebesfrühling“ erschien, ist ein Ausdruck innigster Liebe und tiefer Verbundenheit. Es beschreibt die geliebte Person als Seele, Herz, Wonne und Schmerz des Dichters, und verdeutlicht die allumfassende Bedeutung dieser Liebe in seinem Leben. Rückerts Gedicht reflektiert die romantische Ära, in der Liebe oft als höchste Form der menschlichen Erfahrung dargestellt wurde, die sowohl himmlische Freude als auch tiefen Schmerz bringen kann.

Neue Liebe, neues Leben / Johann Wolfgang von Goethe

Neue Liebe, neues Leben / Johann Wolfgang von Goethe

Herz, mein Herz, was soll das geben?
Was bedränget dich so sehr?
Welch ein fremdes, neues Leben !
Ich erkenne dich nicht mehr.
Weg ist alles was du liebtest,
Weg, warum du dich betrübtest,
Weg dein Fleiß und deine Ruh -
Ach, wie kamst du nur dazu !

Fesselt dich die Jugendblüte,
Diese liebliche Gestalt,
Dieser Blick voll Treu und Güte
Mit unendlicher Gewalt?
Will ich rasch mich ihr entziehen,
Mich ermannen, ihr entfliehen,
Führet mich im Augenblick,
Ach, mein Weg zu ihr zurück.

Und an diesem Zauberfädchen,
Das sich nicht zerreißen lässt,
Hält das liebe lose Mädchen
Mich so wider Willen fest;
Muss in ihrem Zauberkreise
Leben nun auf ihre Weise.
Die Veränderung, ach, wie groß!
Liebe! Liebe! Laß mich los!

Das Gedicht entstand im Jahr 1775 und wird häufig mit Goethes Beziehung zu der Bankierstochter Lili Schönemann in Verbindung gebracht. Goethe lernte Lili in Frankfurt kennen, und ihre Verlobung markierte eine Zeit intensiver emotionaler Erlebnisse für den Dichter. Trotz der starken Anziehungskraft und tiefen Gefühle zwischen den beiden, war ihre Beziehung von gesellschaftlichen und familiären Zwängen belastet, was schließlich zur Auflösung ihrer Verlobung führte. Visualisierung nach der 3. Strophe.

Der Kuss im Traume / Karoline von Günderrode

Der Kuss im Traume / Karoline von Günderrode

Ich träumt, ich weilte noch einmal
An jenem stillen Ort,
Und alles blieb, wie's dort verflossen,
Mit jedem lieben Wort.

Ich träumt, es käm ein Abend sacht,
So sternenklar, so milde,
Der Abend schlich durch alle Nacht,
O selig Traumgebild.

Doch als im Traume, Liebe,
Du zärtlich mir genaht,
Da bin ich aufgewacht,
Doch von dem Kusse blieben
Die Lippen mir noch feucht.

Karoline von Günderrode, eine bedeutende Dichterin der deutschen Romantik, drückt die Sehnsucht und Vergänglichkeit von Liebe aus. Das Gedicht beschreibt einen Traum, in dem die Sprecherin einen Moment zärtlicher Nähe erlebt, der beim Erwachen nur als flüchtige Erinnerung verbleibt. Diese melancholische Stimmung spiegelt Günderrodes eigenes Leben wider, das von inneren Konflikten und unerfüllter Liebe geprägt war, besonders durch ihre Beziehung zu dem verheirateten Philosophen Friedrich Creuzer. Günderrode starb jung durch Suizid, sie erstach sich selbst.

Das zerbrochene Ringlein / Joseph von Eichendorff

Das zerbrochene Ringlein / Joseph von Eichendorff

In einem kühlen Grunde
Da geht ein Mühlenrad
Mein’ Liebste⁠ ist verschwunden,
Die dort gewohnet hat.

Sie hat mir Treu versprochen,
Gab mir ein’n Ring dabei,
Sie hat die Treu’ gebrochen,
Mein Ringlein sprang entzwei.

Ich möcht’ als Spielmann reisen
Weit in die Welt hinaus,
Und singen meine Weisen,
Und geh’n von Haus zu Haus.

Ich möcht’ als Reiter fliegen
Wohl in die blut’ge Schlacht,
Um stille Feuer liegen
Im Feld bei dunkler Nacht.

Hör’ ich das Mühlrad gehen:
Ich weiß nicht, was ich will —
Ich möcht’ am liebsten sterben,
Da wär’s auf einmal still!

Eichendorff schrieb das Gedicht vermutlich inspiriert durch seine unerfüllte Liebe zu Käthchen Förster, die er in seinen Tagebüchern von 1807/08 erwähnte. Eine andere mögliche Inspirationsquelle ist die Wassermühle im oberschlesischen Bresnitz. Das Gedicht wurde später in Eichendorffs Roman Ahnung und Gegenwart (1815) unter seinem echten Namen abgedruckt.

Ich sehe dich in tausend Bildern / Novalis

Ich sehe dich in tausend Bildern / Novalis

Ich sehe dich in tausend Bildern,
Marie, lieblich ausgedrückt,
Doch keins von allen kann dich schildern,
Wie meine Seele dich erblickt.

Ich weiß nur, dass der Welt Getümmel
Seitdem mir wie ein Traum verweht,
Und ein unnennbar süßer Himmel
Mir ewig im Gemüte steht.

Dieses Gedicht von Novalis, einem bedeutenden Dichter der deutschen Romantik, stammt aus dem Zyklus „Hymnen an die Nacht“ (1800). Es reflektiert die tiefe, spirituelle und romantische Liebe des Dichters zu einer Figur namens Marie, die wahrscheinlich auf seine verstorbene Verlobte Sophie von Kühn verweist.

Es ist Nacht / Christian Morgenstern

Es ist Nacht / Christian Morgenstern

Es ist Nacht,
und mein Herz kommt zu dir,
hält's nicht aus,
hält's nicht aus mehr bei mir.

Legt sich dir auf die Brust,
wie ein Stein,
sinkt hinein,
zu dem deinen hinein.

Dort erst,
dort erst kommt es zur Ruh,
liegt am Grund
seines ewigen Du.

Christian Morgensterns Gedichte sind oft von einer doppelten Bedeutungsebene geprägt, die sowohl wörtlich als auch metaphorisch verstanden werden können. Dieses Gedicht ist ein Beispiel für seine Fähigkeit, komplexe Emotionen in einfachen, aber eindringlichen Bildern auszudrücken. Morgenstern beschreibt die Sehnsucht und Liebe eines Herzens, das in der Nacht zu der geliebten Person strebt. Das lyrische Ich kann die Trennung nicht ertragen und findet erst Ruhe, wenn es sich mit dem Herzen des Geliebten vereint. Eine Visualisierung nach dem Gedicht ist nicht gelungen, deshalb gibt es einen abstrakten Ersatz.

Weil ich dich liebe ... / Hermann Hesse

Weil ich dich liebe ... / Hermann Hesse

Weil ich dich liebe, bin ich des Nachts
So wild und flüsternd zu dir gekommen,
Und daß du mich nimmer vergessen kannst,
Hab ich deine Seele mit mir genommen.

Sie ist nun bei mir und gehört mir ganz
Im Guten und auch im Bösen;
Von meiner wilden, brennenden Liebe
Kann dich kein Engel erlösen.

Hermann Hesses Lyrik spiegelt oft seine inneren Kämpfe, seine Suche nach Selbstverwirklichung und die Auswirkungen zweier Weltkriege wider. Das Gedicht entstammt seiner Schaffensphase in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als er sich intensiv mit Themen wie Liebe, Selbstentdeckung und dem Spannungsfeld zwischen Geist und Materie auseinandersetzte.

Ich bin mir meiner Seele ... / Theodor Storm

Ich bin mir meiner Seele ... / Theodor Storm

Ich bin mir meiner Seele
In deiner nur bewußt,
Mein Herz kann nimmer schlagen,
Als nur für dich allein.
Ich bin so ganz dein eigen,
So ganz auf immer dein.

Storms Gedicht entstand wohl in den 1840er oder 1850er Jahren. Es spiegelt die romantische Vorstellung von Liebe und Verbundenheit wider, die typisch für die Literatur dieser Zeit ist. Die Visualisierung erfolgte nach den beiden ersten Zeilen.

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