Haiku von Lenny Löwenstern

Mondhaiku

der Mond auf dem Weg
er schläft in einer Pfütze
ganz still und für sich

Erdacht am 06.06.2024 und visualisiert auf surreale Weise von Dall-E via Bing und Microsoft Designer.

Ein Haiku ist es nur zufällig geworden, oder anders gesagt, haben sich die Wörter selbst so zusammengefunden und am Ende war es dann silbentechnisch gesehen ein 5-7-5 Haiku. Wenn Wörter von sich aus ihre Form finden, hört sich das natürlich an, weniger gewollt; der Dichter hämmert und haut ja nicht selten auf seine Verse ein, bis sie passen. So gesehen ist ein Haiku ein Prokrustesbett. Unter diesen Umständen möchte ich kein Satz sein. Aber hier fügte sich alles ganz ungezwungen, eine Art literarische Unterwassergeburt – in diesem Fall in einer Pfütze.

Assoziationen zum Gedicht

Farbe: #4682B4 – Steel Blue (Stahlblau)
Ein kühles, bläuliches Grau, das die Ruhe und Stille der Szene einfängt und an das reflektierte Mondlicht in der Pfütze erinnert.

Temperatur: 8°C
Eine kühle Herbst- oder Frühlingstemperatur, bei der sich in klaren Nächten Pfützen bilden können und der Mond sich darin spiegelt.

Mythos/Legende: Narziss
Narziss verliebte sich in sein eigenes Spiegelbild in einem Teich. Ähnlich wie Narziss ruht der Mond in der Pfütze und betrachtet sein eigenes Bild, allerdings ohne die negative Konnotation der Selbstverliebtheit.

Duft: Ein frischer, aquatischer Duft mit einer mineralischen Note
Dieser klare, kühle Duft erinnert an Regenwasser und nasse Steine, passend zur Atmosphäre einer Pfütze in einer ruhigen Nacht.

Übereinstimmung aus anderem Themenfeld: Ein Zen-Garten
Zen-Gärten sind Orte der Ruhe und Kontemplation. Sie laden zur stillen Betrachtung ein, ähnlich wie der Mond, der „ganz still und für sich“ in der Pfütze ruht.

Musikinstrument: Eine einzelne Klaviernote
Eine einzelne, sanft angeschlagene Klaviernote kann die Stille und Einsamkeit des schlafenden Mondes in der Pfütze unterstreichen. Der minimalistische Klang spiegelt die Einfachheit und Klarheit des Haiku wider.

Element: Wasser
Die Pfütze, in der der Mond ruht, steht im Mittelpunkt des Gedichts. Wasser symbolisiert hier Stille, Reflexion und Reinheit.

Die unerwartete Personifikation des Mondes verleiht dem Haiku eine träumerische, fast märchenhafte Atmosphäre; so hoffe ich.

Passende Adjektive:

  • still
  • kontemplativ
  • einsam
  • friedlich
  • minimalistisch
  • klar
  • kühl
  • reflektierend
  • mondgolden
  • nachtgolden
  • ruhig
  • dunkelkristallschimmerd
  • ätherisch
  • zart
  • introspektiv
  • meditativ
Mondhaiku

niemand ist ein Mond
die Sterne sind anderswo
ein Regentag

oder

ein Regentag
niemand ist ein Mond
die Sterne sind anderswo

Aus meinem Gedichtband: der Mond der Regen die Nacht und das Blau. Die Visualisierung wurde von DALL-E erstellt. Wäre sie nicht schwarzweiß, könnte das dieses Farbspektrum das Gedicht repräsentieren (in HEX-Farben):

  • Dunkles Blau: #1C1C3B (für die Nacht und den Regen)
  • Mittleres Blau: #2A3759 (für den Himmel und die Reflexionen)
  • Blasses Grau: #A6B1C1 (für den Regen und die Wolken)
  • Sanftes Weiß: #E8ECF1 (für die Sterne und das Mondlicht)
  • Zartes Gelb: #F2E9D8 (für einen Hauch von Licht und Hoffnung)

Das Gedicht verwendet die japanische Form, um ein tiefgründiges Bild von Einsamkeit und Sehnsucht zu vermitteln. Der Vers spricht das Gefühl der Einzigartigkeit und Isolation an, indem er darauf hinweist, dass niemand so einzigartig und unerreichbar wie der Mond ist.

reichlich seitlich
scheint mir der Mond heut
trinkt er vielleicht auch?

Passende Adjektive

launisch, verspielt, schwankend, taumelnd, benebelt, beschwipst, fragend, verträumt, nachdenklich, schimmernd, scheu, geheimnisvoll, zögerlich, fragil, leise, geduldig, zart, sanft, leicht, schwebend, mysteriös, still, ruhig, träumerisch, verborgen, behutsam, schweigend, flüchtig

Fällt dir auf, wie die Wörter jetzt fast wie eine sanfte Welle wirken? Sie fließen ineinander über und erzeugen eine träumerische, geheimnisvolle Stimmung.

Mondhaiku

ein Mond ist sie nicht
die Schöne
im hellblauen Kleid

Aus: der Mond der Regen die Nacht und das Blau. Die Visualisierungen schuf DALL-E. Die KI gab ihnen ohne Aufforderung einen asiatischen Look, Haiku genügte als Trigger. Welches Bild ist treffender, welche Lady schöner?

Mögliche Analyse:

  • Das Gedicht könnte als Kommentar zur Unbeständigkeit der Liebe und Schönheit interpretiert werden.
  • Die „Schöne“ könnte auch als Symbol für die unerreichbaren Ideale des lyrischen Ichs gesehen werden.
Mondhaiku

düster noch dunkler
und fällt doch nicht herunter
der Regenhimmel

Das Haiku stammt aus meinem Gedichtband: der Mond der Regen die Nacht und das Blau. Den Himmel im Stil der Impressionisten schuf DALL-E. Die KI versucht die Stimmung des Haiku einzufangen, während sie gleichzeitig die charakteristischen Merkmale der impressionistischen Malerei beibehält, ohne sie zu japanisieren. In der Art geht es gleich weiter …

Regenhaiku (1984) Visualisierung

eine Regennacht
ewiges Geräusch im Schwarz
den Mond erträumen

Ein Gruß aus der Vergangenheit. Dieses Gedicht habe ich meinem ersten Buch entnommen, es erschien 1984. Die Welt war eine andere und das Haiku hatte, so wie es sich damals gehörte, 5-7-5 Silben – aber nicht unbedingt ein Jahreszeitwort. Oder doch vielleicht, die schwarze Regennacht deutet auf den Herbst oder den Winter.

Das Buch war auch eher nur eine Broschüre, es hatte kein gestaltetes Cover, sondern bloß Wörter drauf. Heute ist es gilb und wirkt schmächtig und ungefüg. Aber wenn es nicht da wäre, hätte ich nichts mehr von damals, denn fast alle sonstigen Texte sind längst vergangen.

In den Achtzigern habe ich noch alles klein geschrieben und sogar Satzzeichen verwendet. Das sah so aus:

eine regennacht –
ewiges geräusch im schwarz.
den mond erträumen.

Regentropfenhaiku Visualisierung

Regentropfenwelt
ich sehe mich selbst in ihr
schon perlt sie davon

Eines habe ich noch, gewissermaßen als Kontrast zum letzten Gedicht, das aus meiner Anfangszeit stammt. Dieses hier ist entstand am im August 2023. Klassisch folgt es dem 5-7-5 Silbenschema.

Die Unausweichlichkeit des Regens gehört zu den häufigsten Themen des Haiku. Auch für mich war der Regen stets faszinierend. Seine Verhalten zwischen Gleichmütigkeit und wildem Sturm, zwischen beinahe zärtlicher Feinheit und überschwemmender Gewalt.

Es ist eine Meditation über die flüchtige Natur der menschlichen Erfahrung und die sich ständig verändernde Beziehung des Menschen zur Welt um ihn herum. Es zeigt, wie Haiku komplexe Ideen und Emotionen in einer sehr knappen Form einfangen können.

Regentropfenhaiku Visualisierung

einen Himmelstanz
würde ich schon noch wagen
den Armvoll Sommer

Sommerhaiku Visualisierung

Das Haiku ist ein Beispiel moderner Haiku-Dichtung, das sich sowohl in seiner Form als auch in seiner thematischen Behandlung von traditionellen Haiku unterscheidet.

Formal ist das Haiku traditionellen Strukturen treu: Es besteht aus drei Zeilen mit einer 5-7-5 Silbenstruktur. Diese knappe Form zwingt den Dichter zu Präzision und Klarheit, Merkmale, die für Haiku charakteristisch sind.

Im Vergleich zu traditionellen Haiku ist dieses Haiku persönlicher und aktiver. Während alte Haiku häufig die Schönheit und Vergänglichkeit der Natur betonen, legt mein Gedicht den Fokus auf die menschliche Erfahrung und die persönliche Initiative.

Sommerhaiku Visualisierung

Die Visualisierungen in diesem Beitrag stammen wieder von der KI DALL-E, sie wurden ohne Umwege aus den Haiku geschaffen.

Haiku Visualisierung

dieser Regen
die Farben fehlen
der Sommer

Hier ist eine Gedichtvariation

Regen Regen
die Farben fehlen
Sommer

warten und trinken
bis die Nacht herunterfällt
sommerabendblau

Das Gedicht wurde sommerbunt im Stil des Phantastischen Realismus realisiert. Das Haiku folgt der üblichen 5-7-5 Silbenregel. Es beschreibt einen Moment des Einklangs mit der Natur und der eigenen Innerlichkeit, ein Ausdruck der Schönheit des Augenblicks in der Stille des Übergangs, Alkohol spielt auch eine Rolle.

In der Mikrowelt des Haiku

Wenn wir in die Zwischenräume der Buchstaben des Sommerhaiku hineinzoomen, entdecken wir eine bis dahin unbekannte Mikrowelt.

zwischen „w“ und „a“:
mikroskopisch kleine Schweißperlen, die von der Sommerhitze zeugen

„t“ und „e“:
ein winziger Zitronenfalter, der im letzten Sonnenlicht flattert

„n“ am Ende von „warten“:
feinste Staubpartikel, die im warmen Abendlicht tanzen

„u“ und „n“ in „und“:
ein miniaturisiertes Weinglas, das den Glanz der untergehenden Sonne einfängt

„t“ und „r“ in „trinken“:
winzige Wassertröpfchen, die an einem Grashalm perlen

zwischen „N“ und „a“ in „Nacht“:
ein mikroskopisches Stück Nachthimmel, das sich langsam verdunkelt

„h“ und „e“ in „herunterfällt“:
ein einzelnes, hauchdünnes Blatt, das sanft zu Boden schwebt

„s“ und „o“ in „sommerabendblau“:
ein winziger Farbtupfer, der von Azurblau zu Indigoblau changiert

„b“ und „l“:
ein mikroskopisch kleiner Glühwürmchenfunke

„u“ am Ende:
eine miniaturisierte Mondsichel, die gerade am Horizont aufgeht

Diese verborgene Welt existiert zwischen den Buchstaben, nicht jeder sieht sie. (en)

Flocken taumeln
begraben die karge Welt
mondblasse Nacht

Das Gedicht spiegelt die Dualität des Winters, als sowohl schön als auch abweisend. Dazu versucht sich die Visualisierung an der Aufgabe, ein Gleichgewicht zwischen asiatischer und europäischer (surrealer) Malerei zu finden. Hier ist eine ältere Version des Haiku:

taumelnde Flocken
begraben die karge Welt
in mondblasser Nacht

Das Gedicht entstand im Dezember 2023. Die bildhafte Darstellung besorgte DALL-E.

Diese Adjektive passen am besten zum Haiku

schwebend, flüsternd, schimmernd, verhüllend, sanft, still, zart, melancholisch, geheimnisvoll, verzaubernd, schlafwandlerisch, verträumt, ätherisch, betörend, sacht, leise, tröstend, nebelhaft, friedlich, magisch.

Uferhaiku von KI visualisiert

am Ufer drüben
die Schöne im schlichten Kleid
warum winkt sie nicht?

Aus den Gedichtband: der Mond der Regen die Nacht und das Blau. Die Visualisierung schuf DALL-E.

Obwohl das Haiku tief in der japanischen Kultur verwurzelt ist, hat es sich international verbreitet und wurde in vielen Sprachen adaptiert. Diese Adaptionen halten sich nicht immer an die traditionelle 5-7-5 Silbenstruktur, besonders in Sprachen mit unterschiedlichen rhythmischen und phonetischen Strukturen als das Japanische. In einigen Fällen wird mehr Wert auf die Kürze und das Einfangen eines Augenblicks gelegt als auf die strikte Einhaltung der Silbenanzahl.

Das Haiku oben hält sich an die Silbenstruktur, einen Zwang sehe ich darin aber nicht. Es geht eben auch anders. Aus guten Gründen, denn die deutsche Sprache baut sich gänzlich anders auf.

Mit Sternenstaub signiert: Lenny Löwenstern

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