Sehnsucht in Gedichten: die Poesie ist voller schmerzlicher Gefühle

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Sehnsucht – ein Wort, das wie ein leiser Atemzug über die Lippen gleitet und dabei die Seele berührt. In ihr schwingt etwas Uraltes mit, etwas, das uns verbindet mit der Tiefe unseres Wesens und den unendlichen Weiten der Welt. Vielleicht, weil Sehnsucht uns fühlen lässt, dass wir leben. Vielleicht auch, weil sie ein Fenster ist, durch das wir auf etwas blicken können, das größer ist als wir selbst.

Was die Sehnsucht in uns auslöst

In der Sehnsucht steckt eine geheimnisvolle Kraft. Sie ist wie ein unsichtbarer Faden, der uns zu Dingen zieht, die wir nicht immer greifen können. Manchmal ist sie ein Flüstern, ein zartes Ziehen in der Brust, das uns daran erinnert, dass etwas fehlt – ein Ort, ein Mensch, ein Gefühl. Manchmal aber ist sie ein Sturm, wild und unbändig, der uns aus dem Alltag hebt und uns für einen Moment glauben lässt, dass alles möglich ist.

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Gedichte greifen diese Spannung auf, die zwischen Haben und Wünschen liegt. Sie formen daraus Bilder, die wir sehen können, auch wenn unsere Augen geschlossen sind. Da ist die einsame Straße unter einem endlosen Himmel, der ferne Ruf einer Lerche oder das Licht des Mondes, das wie ein Gruß aus einer anderen Welt auf uns herabfällt. In der Sprache der Poesie findet die Sehnsucht Worte, die wir selbst oft nicht zu sagen wagen.

Warum Sehnsucht so oft in Gedichten auftaucht

Sehnsucht ist eine der ursprünglichsten Regungen des Menschen. Sie trägt uns über den Moment hinaus, lässt uns träumen, hoffen und manchmal auch leiden. Dichter wissen um diese Kraft. Sie wissen, dass Sehnsucht mehr ist als nur ein Wunsch. Sie ist der Weg, auf dem wir uns selbst begegnen.

Gedichte, die von Sehnsucht handeln, öffnen Räume in uns. Sie wecken Erinnerungen an Dinge, die wir nie erlebt haben, und doch kennen. Sie sind wie ein Spiegel, in dem wir uns selbst erkennen – vielleicht ein bisschen schöner, ein bisschen freier, als wir es in der Wirklichkeit oft sind.

Was Sehnsucht mit uns macht

Sehnsucht hat eine erstaunliche Wirkung: Sie macht uns wach für das, was jenseits des Sichtbaren liegt. Sie lässt uns suchen, und in dieser Suche finden wir manchmal mehr, als wir erwartet haben. Sie bringt uns dazu, die Sterne zu zählen, auch wenn wir wissen, dass wir nie alle erfassen können. Sie führt uns in die Dunkelheit, um das Licht zu entdecken, das nur dort zu finden ist.

Wenn Du das nächste Mal ein Gedicht liest, das von Sehnsucht spricht, halte inne. Lausche den Worten, die Dich vielleicht an Orte führen, die Du nie betreten hast. Vielleicht spürst Du in der Sehnsucht die leise Gewissheit, dass sie mehr ist als eine leere Geste – dass sie ein Versprechen in sich trägt. Ein Versprechen, dass das, wonach wir uns sehnen, uns manchmal auf überraschende Weise findet.

Viele berühmte Gedichte thematisieren die Sehnsucht in ihren unterschiedlichsten Facetten. Hier sind zwei Beispiele, die die Magie und Tiefe dieses Gefühls einfangen:

Johann Wolfgang von Goethe / Nur wer die Sehnsucht kennt

Aus »Wilhelm Meisters Lehrjahre« stammt dieses berührende Gedicht, in dem Goethe die bittersüße Natur der Sehnsucht beschreibt:

Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh ich ans Firmament
Nach jener Seite.
Ach! der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.
Es schwindelt mir, es brennt
Mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!

Es ist ein Klassiker, der die innere Zerrissenheit und das Drängen nach einem fernen, unerreichbaren Ziel eindringlich schildert.

Joseph von Eichendorff / Mondnacht

Das berühmte und vielzitierte Gedicht ist eine hymnische Verklärung der Sehnsucht nach Einheit und Harmonie mit der Natur und der Welt und der Heimat. Es ist fast wie ein geträumter Blick in die Unendlichkeit:

Es war, als hätt‘ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nur träumen müßt.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Eichendorff zeichnet hier ein Bild von einer Welt, in der die Sehnsucht für einen Moment gestillt scheint – und doch bleibt sie in der Atmosphäre des Gedichts spürbar.

Friedrich Rückert / Was soll ich dir für Namen geben?

Was soll ich dir für Namen geben?
Mein trautes Herz! mein einz’ges Leben!
Mein Sonnenblick! mein Seelenstrahl!
Mein Hoffen, Sehnen und Verlangen!
Mein Wünschen Glauben, Zweifeln, Bangen!
O meine süße Liebesqual!
Ich nenne dich mit allen Namen,
Die je von Liebeslippen kamen,
Ich grüße dich mit jedem Laut,
Den du mir je geküßt vom Munde,
Ich nenne dich im Herzengrunde,
Lieb, ewig teuer, Schwester, Braut!

Aus dem Liebesfrühling drittes Buch.

Jedes dieser Werke zeigt, wie universell und doch individuell die Sehnsucht in Gedichten verarbeitet wird – mal als drängendes Verlangen, mal als leiser Nachhall.

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Die Illustrationen sind von DALL-E.

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