20 traditionelle, japanische Winterhaiku

20 traditionelle, japanische Winterhaiku

Haiku sind prägnante Gedichte, es ist typisch für sie, die Schönheit und Vergänglichkeit der Jahreszeiten einzufangen. Sie sind ein fester Bestandteil der japanischen Kultur und lange schon auch im Westen beliebt.

Haiku dienen als Mittel, um die flüchtigen Momente des Lebens festzuhalten und die Verbundenheit mit der Natur auszudrücken. Hier sind 20 herausragende Beispiele klassischer Haikumeister aus Japan. Siehe auch: 20 traditionelle Sommerhaiku

In den Händen geschickter Dichter verwandelten sich die kargen Winterlandschaften in poetische Meisterwerke. Mit nur wenigen Worten gelang es ihnen, die Essenz des Winters einzufangen - das Knistern des Schnees unter den Füßen, das sanfte Glitzern der Eiszapfen im Mondlicht und die Stille, die sich über das Land legte.

Diese Winterhaiku sind Zeugnisse einer Zeit, in der die Menschen noch eng mit den Rhythmen der Natur verbunden waren und in der Poesie eine Möglichkeit fanden, diese Verbindung auszudrücken.

Der erste Schnee fällt.
Auf den Zweigen der Kiefer
liegt noch das Mondlicht.

Matsuo Bashō

Kalter Winterwind.
Durch die Ritzen der Tür pfeift
der Klang der Einsamkeit.

Yosa Buson

In der Winterstille
fällt eine Kamelienblüte.
Der Teich erwacht.

Kobayashi Issa

Schneebedecktes Feld.
Eine Krähe sucht nach Nahrung,
schwarz auf weißem Grund.

Matsuo Bashō

Frostiger Morgen.
Im Eimer gefriert das Wasser,
Kristalle im Licht.

Yosa Buson

Winterabend.
Am Fenster ein einsames Licht,
Schatten an der Wand.

Kobayashi Issa

Stille der Nacht.
Der Schnee auf dem Bambushain
leuchtet im Mondlicht.

Matsuo Bashō

Eiskalter Nordwind.
Die letzten Blätter klammern
sich fest an den Ast.

Yosa Buson

Schnee fällt ohne Laut.
Auf der Schwelle der Tür liegt
eine weiße Katze.

Kobayashi Issa

Nebel steigt vom Fluss.
In der Ferne verschwindet
des Berges Schneehaupt.

Matsuo Bashō

Wintereinsamkeit.
Im Schatten des Vogelhauses
nur fallender Schnee.

Matsuo Bashō

Vereister Weiher.
Unter der dünnen Schicht Eis
schlummert still das Wasser.

Yosa Buson

Schneebedeckte Zweige.
Ein Rabe lässt sich nieder,
Stille noch tiefer.

Kobayashi Issa

Frostklare Nacht.
Der Mond wirft blaue Schatten
auf den weißen Schnee.

Masaoka Shiki

Wintermorgen graut.
Raureif glitzert auf den Feldern,
Nebelschwaden ziehen.

Matsuo Bashō

Schneefall ohne Ende.
Die Welt versinkt in Weiß,
selbst die Zeit steht still.

Yosa Buson

Kalter Winterwind.
Die alte Mönchsstatue
trägt Schal aus Schnee.

Kobayashi Issa

Im Winterwald
ein gefrorener Wasserfall,
erstarrt in der Zeit.

Masaoka Shiki

Schneebedecktes Dorf.
Aus jedem Haus steigt Rauch auf,
Zeichen warmen Lebens.

Matsuo Bashō

Eisblumen am Fenster.
In der Stille des Winters
tickt leis die Uhr.

Yosa Buson

Eine Ente steht auf,
und ich schaue nach ihr,
weiße Kamelien.

Matsuo Basho

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